Adelfränkisch
Adelfränkisch – eine fast vergessene, traditionsreiche Weißweinsorte aus dem Herzen Mitteleuropas. Wiederentdeckt am Steigerwald, bietet sie robusten Wuchs, hohe Mostgewichte und ein feines Aroma zwischen grünem Apfel und Zitrus. Sie eignet sich für anspruchsvolle Lagen, liefert strukturierte, langlebige Weißweine und bringt wieder Vielfalt und Geschichte ins Glas. Eine Rebe für Entdecker mit Anspruch.
Einführung in die Rebsorte
Adelfränkisch stammt aus der Traminer-Urgruppe und geht vermutlich auf eine natürliche Kreuzung von Savagnin (Traminer) × unbekannter Sorte zurück [Quelle: DNA-Analyse 2020]. Seit dem Mittelalter ist sie in der Mark Brandenburg nachweisbar und zählte damals zu den sogenannten „fränkischen Edelsorten“. Lange Zeit galt Adelfränkisch als ausgestorben, nachdem sie fälschlicherweise mit Weißem Traminer gleichgesetzt worden war. Erst ab 2007 wurde die Sorte in alten Mischsätzen am Steigerwald, an der Nahe und bei Halle wiederentdeckt. Diese Wiederentdeckung ist ein bedeutender Beitrag zur Erhaltung genetischer Vielfalt und historischer Weinkultur.
Besondere Eigenschaften
Adelfränkisch zeichnet sich durch einen kräftigen, aufrechten Wuchs aus, ist frosthart, regenerationsfreudig und gedeiht selbst auf schweren Böden problemlos. Die kleinen, lockerbeerigen Trauben sind hartschalig und äußerst widerstandsfähig gegen Fäulnis – selbst bei Mostgewichten von über 100 °Öchsle [Quelle: Fundbeschreibung Steigerwald]. Die Sorte reift spät und liefert auch im Alter stabile Qualitäten. Für eine gesicherte Ertragslage empfiehlt sich ein langer Anschnitt oder der Anbau auf zwei Bögen. Adelfränkisch bevorzugt ruhige Standorte und eignet sich besonders für Winzer mit Geduld und Erfahrung.
Warum diese Sorte eine gute Wahl ist
Adelfränkisch ist eine echte Charakterrebe und keine Massenpflanzung. Sie eignet sich ideal für Nischenmärkte, individuelle Weinstile und Betriebe, die auf traditionsbewusste Qualitätsweine setzen. Dank hoher Winterhärte, außergewöhnlicher Reifeleistung und Resistenz gegen Fäulnis ist sie besonders interessant für Standorte mit Spätfrostgefahr oder strukturreichen Böden. Ihre Zugehörigkeit zur alten Sortengruppe der „Fränkischen“ unterstreicht ihre historische Bedeutung und macht sie zur idealen Wahl für Winzer, die seltene Sorten mit einzigartiger Geschichte schätzen.
Steckbrief
- Rebsorte: Adelfränkisch
- Ursprung: Natürliche Kreuzung Savagnin (Traminer) × unbekannte Sorte
- Wiederentdeckt: Ab 2007, Fundstandorte am Steigerwald, an der Nahe und bei Halle
Im Weinberg
- Resistenzen: Sehr frosthart, kaum anfällig für Fäulnis selbst bei hoher Reife
- Trauben & Beeren: Kleine, lockerbeerige, hartschalige Beeren, Silvaner-ähnlich
- Wuchs: Kräftig, aufrecht, kaum rankend, blühanfällig wie Traminer
- Reife & Ertrag: Spätreifend, Mostgewichte >100 °Öchsle möglich, harmonische Säure, niedrige Erträge bei kurzem Anschnitt
- Frostbeständigkeit: Sehr hoch
- Lageansprüche: Bevorzugt schwere Böden und ruhige, späte Lagen
Im Keller
- Aroma: Grüner Apfel, Zitrusfrüchte, leichte Parfümnoten
- Bukett: Zart und feingliedrig
- Frische: Klar und belebend
- Tannine: Keine Relevanz bei Weißweinen
- Säure: Harmonisch und ausgewogen
- Süße: Trocken bis feinherb ausbaubar
- Fruchtigkeit: Dezent, elegant und edel
Eignung
- Weinart: Weißwein
- Herstellung: Stillwein, geeignet für Spontangärung und längeren Ausbau
- Lagerfähigkeit: Hoch
- Tanninstruktur: Nicht ausgeprägt